Music Report: Suche nach Hoffnung und der Kampf mit sich selbst in diesen brandneuen Alben

Neue Ausgabe des Music Report mit einigen spannenden Debüts und Comebacks.

Written By Alina Berezhnaya

Genesis Owusu – Lächelnd mit keinen Zähnen

Eine Explosion von Energie, Unverblümtheit und Experimentierfreude auf Owusus lang erwartetem Debüt macht dieses Album zu einer der aufregendsten Veröffentlichungen dieses Jahres. Genesis glänzt mit seiner Flüssigkeit und seinem unendlichen musikalischen Talent – er rappt, singt, er liefert atemberaubende Spoken-Word-Passagen. Seine “schwarzer Hund”-Metapher ist, was auch immer Sie darin sehen wollen – Rassenungleichheit, pandemisches Chaos, Depression, etc. – Dank der Fluidität seiner Texte und Genres kann jeder Hörer etwas Besonderes finden. Es ist Owusus ehrliche und rohe Performance, die dieses ehrgeizige, lange Debütalbum zusammenhält und es durchweg kohärent und strukturiert macht. Genesis Owusu auf Spotify

BROCKHAMPTON – ROADRUNNER: NEUES LICHT, NEUE MASCHINE

Die amerikanische Boyband wird auf ihrem sechsten Studioalbum immer reifer. Sie wachsen langsam aber sicher aus der BOY-Band-Ästhetik heraus und wollen etwas Ernsthafteres erkunden, während sie gleichzeitig tiefer in den Old-School-Hip-Hop-Sound und die 90er Jahre als Inspiration eintauchen. Dadurch klang ROADRUNNER zwar groovig, aber textlich schwer mit seinen dunklen Versen über Selbstmord, die Schattenseiten des Ruhms, homophobe Familien usw. Doch BROCKHAMPTON sehen das Licht, wischen sich die Tränen ab und fahren weiter. BROCKHAMPTON auf Spotify

Jane Weaver – Herde

Auf ihrem neuen Album ‘Flock’ ist Jane Weaver nicht zu bremsen. Vom wilden und freien, mit weit ausgebreiteten Armen und aus voller Kehle schreienden Eröffnungstrack bis hin zu den instrumentalen Experimenten, dem leicht traurigen, aber magischen Titeltrack und dem frechen Groove von Tracks wie ‘Sunset Dreams’. Sie werden hier keine geradlinigen Disco-Hits finden, wenn es das ist, was Sie suchen, tauchen Sie stattdessen in die Synth-lastige kosmische Glückseligkeit ein und entspannen Sie sich einfach. Jane Weaver auf Spotify

La Femme – Paradigmen

Die Pariserinnen La Femme überraschen ihre Hörer mit jedem Album, entziehen sich Genre-Normen, einheitlichen Stilen und Konformismus. ‘Paradigmes’ ist eine interessante Titelwahl, das französische Chaos von La Femme ist tatsächlich ihr Paradigma. Auf der einen Spur sind Sasha Got und Marlo Magné trippig und hazy, auf der anderen sind sie revolutionäre Punkrocker, dann sind sie auf der Indietronica-Party, gefolgt von einer lächerlichen Opernaufführung. Das Album ‘Paradigmes’ ist Camp pur, es nimmt sich selbst nicht zu ernst und gewinnt letztlich – jeder würde diesen wilden Ritt mit den französischen Superstars mitmachen wollen. La Femme auf Spotify

serpentwithfeet – DEACON

Eine der emotional stärksten Veröffentlichungen in dieser Zusammenstellung. Dieses Album handelt von einer sanften und ergreifenden Liebe, die Sie ganz verschlingt. serpentwithfeet ist hier unapologetisch romantisch, queer und zerbrechlich, was DEACON zu einem fesselnden Hörerlebnis voller meisterhaftem Songwriting, sinnlichem 90er-Jahre-R&B und einem süßen Beigeschmack macht. serpentwithfeet auf Spotify

Clark – Playground In a Lake

Clark beweist einmal mehr, dass ihm keine Herausforderung zu schwer ist – jede neue Veröffentlichung ist ein neuer Sound, eine neue Höhe. Für das neue Album zum Beispiel studierte Clark die Kunst des Notenschreibens und arbeitete mit einem berühmten Klassik-Label zusammen. Man spürt auch den Einfluss von Soundtracking und Existenzialphilosophie, etwas, das ihn jetzt leidenschaftlich zu beschäftigen scheint. Playground In a Lake” entpuppt sich als intelligentes Album, das das Thema Umwelt behandelt. Man kann diese komplexen Themen nicht mit etwas Einfachem verwechseln, daher ist diese Veröffentlichung ein großartiges, kompliziertes Werk, das es wert ist, weiter erforscht zu werden. Clark auf Spotify

Porter Robinson – nurture

Ein beiläufiges Anhören von Porters neuem Album kann sich anfühlen, als würde man eine Reise nach Japan unternehmen, sich an die besten Jahre von EDM erinnern und einfach nur vibben. Bei genauerem Hinsehen handelt es sich jedoch um einen detaillierten Tagebucheintrag über den Kampf mit sich selbst, die Suche nach dem verlorenen Selbstvertrauen, die Auseinandersetzung mit dem unerwartet gefundenen Ruhm und schließlich das Erreichen des Endes des Tunnels. Porter Robinson schafft es, genreübergreifende Elemente mit wunderschöner akustischer Instrumentierung zu verbinden – am schönsten sind hier Klavier und Streicher, aber auch Vogelgesang. Porter Robinson auf Spotify

Ferdous – For My Own Sake

Ferdous zaubert auf seiner Debüt-Solo-EP ‘For My Own Sake’ – der gedämpfte, ambiente Eröffnungstrack lädt uns in die Welt des schönen, synthiegetränkten R&B ein, sexy eingängige Melodien, die viele Fans des frühen The Weeknd schätzen werden und an dunkle Club-Tanzszenen voller Geheimnisse erinnern (die Hitsingle ‘Gravity’). Ferdous mischt frische elektronische Klänge mit sanfter Darbietung und tief persönlichen Texten. Ein Popstar auf dem Weg! Ferdous auf Spotify

Text: Alina Bereschnaja

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